Nikolaus Fürst Blücher von Wahlstatt spricht über religiöse Erfahrungen, höhere Bewusstseins- zustände und Transzendentale Meditation

in unserer wissenschaftlichen Welt wird die Erfahrbarkeit verlangt dessen, was man für wahr hält. In der religiösen Welt hat man seit langer Zeit auf Erfahrbarkeit von Wahrheiten verzichtet und „Glauben“ als Zugang zu religiösen Werten angesehen. Nun ist Glauben kein Hindernis zur Erkenntnis von Wahrheit, Glaube entspricht jedoch nicht den Erkenntniskriterien einer modernen Bewältigung von Umwelt und kosmischen Phänomenen, obwohl kein Mensch auch in der Welt technologischer Zivilisation ohne ein gewisses Maß von „Glauben“ auskommt. Ein gewisses Vertrauen auf den Lichtschalter lässt ihn uns betätigen und eine gewisse Enttäuschung überkommt uns, wenn kein Strom da ist.

 

Es ist aber keineswegs so, dass die religiöse Welt etwa nur „glaubbar“ und nicht erfahrbar wäre. Maharishi Mahesh Yogi hat die transzendentale Meditation als eine geistige Technik eingeführt oder vielmehr wiederbelebt, die vielen Menschen die Möglichkeit eröffnet hat, religiöse „Erfahrungen“ zu machen. Gleichzeitig hat Maharishi 7 verschiedene Bewusstseinszustände aufgezeigt, die sich aus der Praxis der Transzendentalen Meditation entwickeln und die unterschiedliche Erfahrungen erzeugen. Maharishis Worte waren: Erfahrung ist unterschiedlich in unterschiedlichen Bewusstseinszuständen.

 

Die Bewusstseinszustände lauten:

 

 

(1)  Schlafen                                                              Erfahrung = 0

 

(2)  Träumen                                                               Erfahrung illusorisch

 

(3)  Wachen                                                                Erfahrung konkret

 

(4)  Transzendentales Bewusstsein                                  Wachheit ohne Erfahrung,

Erfahrung abstrakt, Selbst-Erfahrung

 

(5)  Kosmisches Bewusstsein                                 Selbsterfahrung dominant,

Welterfahrung rezessiv

 

(6)  Gottesbewusstsein                                             Selbsterfahrung dominant,

Welterfahrung subtil = himmlisch

 

(7)  Einheitsbewusstsein                                         Selbsterfahrung verschmilzt

 

mit Welterfahrung

 

Alle sieben Bewusstseinszustände mit den entsprechenden Selbst- und Welterfahrungen kommen in den Berichten religiöser Exponenten vor und verschiedene Religionen haben mit gewissen Ausschließlichkeitsklauseln unterschiedliche Erfahrungen in unterschiedlichen Bewusstseinszuständen zur Norm erhoben.

 

(1)        Schlafen: Die Erfahrungstätigkeit setzt regelmäßig aus, so dass sich das Nervensystem erholen kann. Transzendentale Meditation führt immer wieder ausübende Individuen zu erholsamem Schlaf, wenn Stresserfahrungen Entspannung verhindern.

(2)        Träumen: Gewisse psychologische Richtungen analysieren Träume, weil sie Träume als stresslösende Prozesse im Individuum erkennen. Die Transzendentale Meditation führt zu geeigneten Stresslösungen im Individuum, auch durch Träume, die aber nicht der Analyse bedürfen, da die Natur genau die Stresse löst, die eine weitere Entfaltung des Bewusstseins hindern.

(3)        Wachen: Ausübende der Transzendentalen Meditation berichten immer wieder, dass Wachheit und Konzentration mit der Praxis zunehmen.

(4)        Transzendentales Bewusstsein: Das Aufhören äußerer Erfahrung ohne Verlust des Bewusstseins ist eine im Tagesgebrauch unserer Zivilisation wieder erwachende Erfahrung, die bisher nur im religiösen Umfeld beschrieben wurde. Eine solche Erfahrung wird zumeist als Gotteserfahrung interpretiert, da die letzte „konkrete“ Erfahrung vor dem Eintreten in diesen abstrakten Zustand eines Bewusstseins ohne Bewusstseinsinhalte ein Durchgang durch einen Bereich der Seligkeit ist. In der Kette konkreter Erfahrungen ist dies der Bereich von „Ahamkara“, das Feld der Individualität, das in seiner Reinheit erfahren „Ananda“, Glückseligkeit bedeutet. Hier finden wir eine „aufgeweckte“ Interpretation des Egoismus, denn Ahamkara ist das gottgegebene Ego, das von äußeren Erfahrungen unbehelligt Glückseligkeit bedeutet, Immer wieder haben  Beschreibungen dieses Zustands der Glückseligkeit bei Abwesenheit äußerer Anregung, an sich korrekt beschrieben, Menschen zu harter Askese verführt in der Hoffnung, dadurch Glückseligkeit zu erlangen. Der Zustand der Abwesenheit äußerer Anregung kann durch Transzendentale Meditation erreicht werden, nicht aber durch Disziplinierung der Anregungen.

(5)        Kosmisches Bewusstsein: Konstante Übung der Transzendentalen Meditation lässt jenen Zustand der Selbsterfahrung nicht nur nicht verloren gehen in der Welt der täglichen Beanspruchungen, sondern so sehr dominant werden, dass er das Bewusstsein stärker ausfüllt als die täglichen Verrichtungen. Buddha fiel in diesen Zustand und gab ihm die Bezeichnung Nirwana. Buddhas Nachfolger haben wiederum die Beschreibung eines Bewusstseinszustands für die Wegbeschreibung dorthin genommen und Weltentsagung gepredigt. Die Erlangung von Buddhas Nirwana bedeutet aber eher Weltbeherrschung als Weltentsagung, etwas so, wie eine vollkommen entspannte Lenkung eines Autos ohne Telefonieren und ohne Ablenkung Verkehrssicherheit bedeutet.

(6)        Gottesbewusstsein: Die bisherigen Erfahrungen von Bewusstseinszuständen haben häufig Ausdruck gefunden in monotheistischen Vorstellungen. Das innere Erwachen über den Durchgang von Glückseligkeit in einen Zustand von umfassender Stille. von innerem Frieden in (4) und (5) haben zu einer Verehrung der „Bildlosigkeit“ geführt, die sich bei fehlender Erfahrung dieses Zustandes bis zu Bildersturm gesteigert hat. Die Schilderung der Heiligen der Bewusstseinszustände (4) und (5) waren korrekt, die Interpretationen der Nachfolger haben wiederum einen Zustand als Weg dahin interpretiert, als ob die Beschreibung der Gipfelschau eines Bergsteigers den Bergführer, der den Weg dahin kennt, überflüssig macht.

 

Gottesbewusstsein dringt in feinere Bereiche der Schöpfung vor in einer Schicht, in der die Naturgesetze zuhause sind und in dem in einer Art Verschränktheit alles mit allem zusammenhängt. Die moderne Physik kommt mit ihrer begrifflichen Struktur in der Quantenfeldtheorie diesem Bereich auf die Spur. Die katholische Kirchenlehre berührt diesen Bereich ebenfalls, wenn sie zur Kanonisierung eines Heiligen „Wunder“ verlangt, Wenn ein Mensch mit seinem Bewusstsein sich in einen Feld bewegt, in dem alles mit allem zusammenhängt, so wird er für andere, denen dieser Bereich fremd ist, unerklärliche (wunderbare) Wirkungen erzeugen. Diese Wunder sind in Wirklichkeit Ereignisse innerhalb des Naturgesetzes, „Wunder“ bedeutet nur Unkenntnis über den Weg.

 

In diesem Bereich bewegen wir uns unter und mit den Naturgesetzen. In den religiösen Vorstellungen sind in heidnischen Traditionen und in solchen des klassischen Altertums diese Naturgesetze mit „Göttern“ besetzt gewesen, in den christlich orthodoxen und katholischen Traditionen mit Engeln oder Heiligen als Schutzpatron, in der jüdischen Kaballah mit Hierarchien von Engeln. Man muss nur wissen, dass das Namen von Erfahrungen sind und keine Glaubensphantasien.

 

In der modernen Welt ist das Buch von Maharaja Adhiraj Raja Ram, Professor Nader, zu zitieren, der diesen Bereich in der menschlichen Physiologie widergespiegelt sieht.

 

(7)        Einheitsbewusstsein: Hier befinden wir uns im eigentlich interessanten religiösen Bereich, nämlich in der uralten Vorstellung von der Durchdrungenheit der Phänomene mit deren eigentlichem Ursprung. Aber in welcher Weise wird diese Durchdrungenheit erfahren? Denn das Absolute ist zwar eine „Erfahrung“ ohne Erfahrungsobjekt, das in (1) dem Bewusstsein zugänglich wird, aber diese Realisierung des absoluten Urgrunds ist total abgetrennt von allen Sinneserfahrungen. Diese Abgetrenntheit – Meister Eckehard nennt sie Abgeschiedenheit –  wird deutlich im Bewusstseinszustand (5), in dem die Stille, die Unberührtheit des Absoluten im Bewusstsein so stark ist, dass die äußeren Sinneserfahrungen gleichsam verblassen. Ja, selbst himmlische Erfahrungen mit all ihrer Vollkommenheit in Bewusstseinszustand (6) werden gleichsam zu Hintergrund. Wie kann dieser Hintergrund in den daraus ausgetretenen Phänomenen erscheinen?

 

Indem die Phänomene nicht heraustreten, sondern in eben diesem Hintergrund verweilen. Diese Erfahrung hat einen Namen: Smriti. Smriti heißt einfach Erinnerung, aber Smriti ist keine Reproduktion innerer Erfahrungen im Gedächtnis, die nicht mehr gegenwärtig sind. Smriti ist eine Erinnerung gleichsam nach vorne, nicht nach hinten in Vergangenes, Smriti ist in hohem Maße gegenwärtig. Das Studium der Veden geschieht mit dieser Erinnerungskraft. Veda heißt Wissen – Wissen über den Ablauf der Schöpfung. Die Schritte im Außen der Bewegung, durchdrungen von der Stille, „erinnern“ sich ständig an den Ablauf der Schöpfung. Was ist der nächste Schritt an der Stelle der Schöpfung, an der Stelle der Evolution, an dem ich mich befinde, was ist mein nächster Schritt im vollkommenen Einklang mit der Schöpfungsgeschichte? Dieser mein eigener Schritt enthüllt mir den Veda, das Wissen. Vedo ham. Ich bin der Veda. Smriti ist Erinnerung nach vorne, es ist Erinnerung des Schöpfungsgesetzes und es ist Erinnerung an meinen Stand in der Evolution. In der religiösen Sprache der Heiligen wird das „Wandeln in der Gnade“ genannt. Es ist auch ein Wandeln in der Unfehlbarkeit. Das Dogma der päbstlichen Unfehlbarkeit ist keine Hybris, es ist die Unfehlbarkeit eines jeglichen Menschen, der in der Gnade wandelt. Und ein jeder, der in die Erinnerung des nächsten Schritts eingegangen ist, spricht „ex cathedra“.

 

Die alten Rishis kannten den gesamten Veda, nicht nur ihre eigenen Schritte. Doch jeder Rishi sah seine bestimmten Hymnen und der Name des Rishi ist die Kurzform seiner Erkenntnisse. Doch Einheitsbewusstsein bedeutet die Entdeckung des Gesamtzusammenhangs in den Einzelheiten der Erfahrungen, Maharishi hat das den Saft genannt, der in allen Ästen, Blüten und Früchten des Baums existiert.

 

Die abstrakte Formulierung solcher Erfahrung läuft wiederum Gefahr, als Übungsrezept verstanden zu werden. Die Erfahrung ist aber ganz unmittelbar und hat mit einer bewussten Übung nichts zu tun. Sie ist vielmehr ähnlich einer ständigen Wunscherfüllung. Daher auch der Ausdruck „wandeln in der Gnade“. Die Lebensereignisse „passen“. Die individuellen  Bewegungen geschehen in einem größeren Zusammenhang, den man als quantenmechanisch ansehen kann: alles hängt mit allem zusammen. So geschehen großflächige Wunscherfüllungen, die dann bei der Kanonisierung eines Heiligen als „Wunder“ betrachtet werden.

 

Dies aber ist das Geburtsrecht eines jeden Menschen und nicht das Vorrecht  von Einzelerscheinungen.

 

Die Religionen haben aus diesem Erfahrungskomplex Einzelheiten herausgegriffen und gelobt, aber selten genug systematisch eingeordnet. Sie haben sich sogar gestritten um die Gültigkeit einzelner Erfahrungen, die nichts anderes sind als die Perlenkette eines Rosenkranzes von fortfolgenden Erfahrungen. Die Wissenschaft hat sich zurückgewendet zur Erfahrbarkeit von Phänomenen und Bewusstseinsformen. Solche Widersprüche lösen sich in der Einheitserfahrung auf.

 

Sodann arbeiten die meisten Religionen – nicht deren Gründer – mit einem Gottesbegriff, nicht mit einer Gotteserfahrung. Wenn diese aber gesucht wird, so beginnt sie mit Mustern der Religion, in der man aufgewachsen ist,  sie entfaltet sich zu einer Schau aller Religionen und sie erfüllt sich zu einer Einheit von Gott und Welt

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